Rassismus in der Renaissance.

Das Trennungsmerkmal im Umbruch - Vom reinen Glauben zum reinen Blut.

Das Jahr 1492 bedeutete eine tiefgreifende Veränderung für Europa: Admiral Cristoforo Colombo, Christoph Kolumbus, landete auf den Bahamas in Mittelamerika – aus europäischer Sicht war dies die „Entdeckung Amerikas“. Zwar war dies nicht Indien, wie Kolumbus glaubte, dennoch markierte dieses eine ganz grundlegende Neuerung für die europäische Weltsicht: Die Welt war begrenzt. Statt unvorstellbare Weiten, die es zu entdecken galt, nistete sich nun der Gedanke ein, dass die Welt endlich ist. Es muss aus europäischer Sicht somit ein Wettstreit ausgefochten werden und um knappe Ressourcen gekämpft werden. Hierbei setzt sich ein Begriff langsam immer mehr durch: Rasse. Ursprünglich war Rasse dabei ein Begriff, der sich auf die Pferdezucht, aber auch auf die weit verzweigten Adelsfamilien bezog. Radix, Latein für Wurzel, und raz, arabisch für Kopf oder Anführer, vereinten sich hier als Abgrenzungsmerkmal. Rasse wurde hierbei ein Kriterium, welches Glaube, Kultur und Abstammung in sich vereinte.

Es ist der europäische Versuch, vermutete Unterschiede in zu markieren und zumindest begrifflich zu begreifen. Das Anderssein der Menschen in Amerika konnte hier aufgezeigt werden, ohne es abschließend zu erklären. Eine Melange an kulturellen, sprachlichen, religiösen Faktoren wurde mit der jeweiligen Herkunft vermischt.

Gleichzeitig kam es zu bedeutenden Veränderungen in Spanien: Die sog. Reconquista kam zu ihrem Ende; die „Katholischen Könige“ eroberten die iberische Halbinsel und vertrieben Menschen muslimischen Glaubens. Die Könige ordneten dabei zusätzlich die Vertreibung der Jüd*innen an, sofern diese nicht zum Christentum übergetreten waren.

Im 16. Jahrhundert verschiebt sich dabei jedoch das Kriterium, mit dem die Gruppenzugehörigkeit festgestellt wird: Aus der mittelalterlichen Reinheit des Glaubens wurde die Reinheit der Abstammung. Schritt für Schritt ist nicht mehr die Taufe und das Glaubensbekenntnis Kriterium für die Gruppenzugehörigkeit, sondern die Abstammung.

Begrifflich wurde den katholischen Christ*innen dabei die Marrano gegenübergestellt; das spanische Wort für „Schwein“. Diese waren alle, die sich nicht klar dem christlichen Glauben zuordnen lassen. Ein Marrano war man – und blieb man nun auch.

Warum kam es aber zu dieser Umdeutung hin zur Reinheit des Blutes? Zum einen schien dieses neue Konzept eine gute, weil klare Antwort auf die komplexe Situation in Europa und speziell auf der iberischen Halbinsel zu geben. Diese Zeit der Neuordnung wurde durch gewaltsame Vertreibung und Ermordung geprägt; hierfür war eine moralische Grundlage nötig. Das Gegenüber als Schwein – dies diente als psychologischer Schlüssel für den Rassismus der Renaissance.

Zusammenfassung
✓ Mit der "Entdeckung Amerikas" wird der Wettlauf um die "Verteilung der Welt" verschärft.
✓ Ein neues Unterscheidungsmerkmal kommt auf: Die Reinheit der Abstammung.
✓ Aus christlicher Sicht waren die Anderen nun zu Marrano (dt. Schweinen).
✓ Ein sozialer Wechsel verwischte kaum mehr die Spuren der unreinen Abstammung.

Weiterführende Literatur:

Rassismus der Aufklärung - Die Epoche der Vernunft wirft ihren Schatten. Empfehlung
Christian Geulen (2014): Geschichte des Rassismus. Ein wichtiges Buch!