Rassismus im Mittelalter.

Wie das Christentum die europäische Weltsicht prägt. Das neue Kriterium: Der rechte Glaube.

In Europa entwirft das Christentum das mittelalterliche Weltbild: Dieses unterscheidet dabei zwischen Christ*innen auf der einen Seite und Heid*innen, Häretiker*innen und Jüd*innen auf der anderen Seite. Hierbei lohnt sich der genaue Blick auf diese Gegenüberstellung:

Heid*innen galten als so etwas wie Noch-nicht-Christ*innen, die man bekehren konnte. Entscheidend hierbei: Das Gegenüber konnte sich also in etwas Gemeinsames auflösen. Durch die Taufe war ein Übertritt in die erlösende Kirche möglich.

Häretiker*innen waren dabei genau das Gegenteil, dieses waren Nicht-mehr-Christ*innen. Hierbei wurde eine*r katholische*r Christ*in die kirchliche Mitgliedschaft entzogen, die Person wurde exkommuniziert. Kriterium für den Ausschluss war dabei der rechte Glaube, welcher von der katholischen Kirche festgelegt wurde. Der Ausschluss galt im Mittelalter als schwere Bestrafung, da sie zum einen die Erlösung verhinderte und gleichzeitig die soziale Ächtung einen Ausschluss aus der prägenden Gemeinschaft bedeutete.

Was somit alle drei Gegengruppen vereint: Unterscheidungsmerkmal ist immer der rechte Glaube. Während der antike Rassismus anhand von sozialen Positionierungen innerhalb der eigenen Gesellschaft unterscheidet, verschiebt der mittelalterliche Rassismus dieses grundlegend. Was gleich bleibt, ist, dass der Wechsel zwischen den Gruppen weiter möglich ist. Das Gegenüber kann vereinnahmt und in die eigene Gruppe aufgenommen werden – wir müssen nur den rechten Glauben annehmen.

Zusammenfassung

✓ Auch im Mittelalter kommen die psychologischen Mechanismen des Rassismus vor.
✓ Der mittelalterliche Rassismus unterscheidet mithilfe des rechten Glaubens.
✓ Ein Übertritt zum rechten Glauben ist möglich.
✓ Biologische Unterschiede sind im Mittelalter nicht präsent.

Weiterführende Literatur:

Rassismus in der Renaissance - Vom reinen Glauben zum reinen Blut. Empfehlung
Christian Geulen (2014): Geschichte des Rassismus. Ein wichtiges Buch!