Rassismus in der Antike.

Gab es Rassismus bei den Hellen*innen? Eine Spurensuche in der griechischen Polis.

Fragen wir nach Rassismus in der Antike, müssen wir einen gedanklichen Sprung vollführen: Dies ist eine Zeit, in der die Rassenlehre des 19. und 20. Jahrhunderts bei weitem noch nicht angedacht war und genetische Unterscheidungen unvorstellbar waren.

In den antiken Städten unterschied man dabei sehr wohl zwischen Hellen*innen, also Griechen, und Barbar*innen, den Wilden. Barbar*innen waren dabei alle, die nicht Hellen*innen waren. Der Begriff Barbar*in konnte dabei abwertend genutzt werden. Dieses erfüllt somit auch die aktuelle Definition von Rassismus entlang der drei psychologischen Mechanismen von Differenz, Wertung und Verallgemeinerung. Dennoch scheint der Rassismus der Antike ein grundlegend anderer zu sein, denn der psychologische Umgang mit den Anderen, den Barbar*innen, war ein anderer:

Zwar waren diese aus Sicht der Hellen*innen weniger organisiert, weniger kultiviert, aber sie waren keine existenzielle Bedrohung für die Hellen*innen. Hier wurde keine Konkurrenzsituation zwischen Menschengruppen empfunden, so wie sie später für das 19. und 20. Jahrhundert prägend wird. Daher war auch ein Wechsel zwischen den Gruppen nichts prinzipiell Verwerfliches: Es kam also zur sozialen Mobilität, man konnte aus einer Gruppe, wenn auch mit Mühe, in die andere wechseln!

Die hellenistischen Gesellschaften bestanden auch aus der Klasse der Sklav*innen. Diese waren zumeist in Folge eines verlorenen Krieges versklavt - nicht jedoch aufgrund ihrer spezifischen Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe. Sklav*innen waren Besitz von Hellen*innen. Dabei konnten Sklav*innen jedoch in Freiheit entlassen werden oder sich durch sozialen Aufstieg Rechte und Privilegien sichern. Gleichzeitig war es zumindest theoretisch vorstellbar, dass auch Hellen*innen aufgrund eines Krieges den Sklavenstatus einnahmen.

Fremde, die nicht zur Stadt gehörten, konnten im antiken Griechenland zudem Metök*in, ein*e Ansiedler*in, werden. Hierfür benötigte man eine Bürgschaft eine*s ortsansässige*r Hellen*in. Metök*innen durften in Athen weder einer politischen Aktivität noch Grundbesitz erwerben. Sie waren daher überwiegend in Handel und Gewerbe tätig, wurden aber wie die Bürger*innen zum Kriegsdienst herangezogen und mussten Steuern zahlen. Dafür wurden sie von der Stadt geschützt.

Hierbei wird sichtbar, dass die antike Gesellschaften Menschen zwar immer wieder in Gruppierungen ordnete, diese jedoch auch in Bewegung waren. Ein sozialer Auf-, aber auch Abstieg war immer wieder möglich.

Zusammenfassung

✓ Auch in der Antike kommen die psychologischen Mechanismen des Rassismus vor.
✓ Der antike Rassismus unterscheidet eher zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Stellungen, nicht jedoch zwischen Menschen aufgrund von äusserlichen Merkmalen.
✓ Biologische Unterschiede sind in der Antike unvorstellbar.
✓ Auch aus der Klasse der Sklav*innen konnte man aufsteigen.
✓ Als Metök*in hatte man begrenzte Rechte & Pflichten.

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Weiterführende Literatur:

Rassismus im Mittelalter - wie das Christentum die europäische Weltsicht prägt. Empfehlung
Christian Geulen (2014): Geschichte des Rassismus. Ein wichtiges Buch!